Handwerk? Wissenschaft? Politik?
Ignorantia Pyramidalis*! Aufklärung tut Not!
Handwerk schafft Professionalität und Vertrauen. Allerdings ist ein Autofahrer nicht automatisch schon ein KFZ-Schlosser und ein Besitzer einer kleinen Schneckenpresse mit der er Ölpressen kann, kein Ölmüller. Also Vorsicht! Auf dem Markt werden ungefilterte pflanzliche Speiseöle angeboten. Die sind, obwohl kaltgepresst, ein heißes Eisen und gefährlich ungesund.
Schwarzkümmelöl, „ungefiltert“ ist ein Beispiel
Das Öl aus ägyptischer Schwarzkümmelsaat ist in unseren Kulturzonen, – wenn handwerklich gewonnen, – von Natur aus ein vielseitig gesunder Exot. Der Pressvorgang ist ein Zerstörungsvorgang der Ölsaat bei dem Öl und Eiweiß mit „Gewalt“ getrennt werden. Es entstehen aus der Ölsaat drei ernährungsphysiologisch hochwertige Co-Produkte: 1. Öl, 2. das an Feststoff gebundene Eiweiß-Sediment als Creme und 3. der Ölkuchen als Expeller. Beim Pressen quillt also mit dem Öl, der eiweißhaltige Trub aus dem Seiher, der sich im Öl als sogenanntes Sediment absetzt. Anschließend muss das Öl vom Trub zwingend getrennt und gefiltert werden. Bleibt der Trub länger im Öl, verbinden sich schon bei Zimmertemperatur die mehrfach ungesättigten gesunden Cis-Fettsäuren mit dem pflanzen-eigenen Eiweiß. Dabei entstehen in der Isomerase, in einem nicht mehr zu stoppenden Dominoeffekt, bei Zimmertemperatur (!) aus gesunden Cis-, die giftigen,
gesundheitsbelastenden Trans-Fettsäuren.
Transfettsäuren sind ein Politikum, weil Politik Wissenschaft missachtet und degradiert. Den politischen Akteuren geht es um die Absicherung wirtschaftlicher Macht und nicht um Risikominderung für Konsumenten durch die Expertise einer unabhängigen Wissenschaft. Das Feld der Lebensmittel ist heute für die Wissenschaft ein Vertrauen zerstörendes Minenfeld. Neben Gentechnik und Glyphosat landen mit dem unfiltrierten Öl, Transfette direkt auf unserem Essteller.
So spiegelt die Vielseitigkeit des Schwarzkümmelöls das Dilemma „Vertrauen“ in Wissenschaft und in Handwerk zu gewichten – einerseits, oder wirtschaftspolitisches Handeln für den Bürger einzuordnen – andrerseits. Bundespräsident, Kanzler und Minister haben den Eid aus Art. 56 GG abgelegt: „Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen,…Schaden von ihm wenden…werde…“
Wie es der Politik mit Hilfe der Wirtschaft gelingt wissenschaftlich fundierte Wahrheiten öffentlich wirksam in Ungnade fallen zu lassen und Wissenschaft als Ganzes kaltzustellen, zeigen neben zu vielen anderen Beispielen die Debatten zu Glyphosat, Corona, Klimawandel. Der Lebensmittelmarkt bleibt sich selbst überlassen. Die Politik überlässt das Feld wie selbstverständlich der Macht der Konzerne.
Wissenschaft wird politisch instrumentalisiert wie sich am Schwarzkümmelöl und seinen handwerklich gesundheitsrelevanten
Produktionsschritten beispielhaft zeigen lässt. Denn die Debatte über ein gesundheitliches Risiko von Transfettsäuren begann bereits 1993 mit dem amerikanischen Forscher Walter Willet, der erstmals einen negativen Einfluss dieser Substanzen auf das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen beschrieb. Im weiteren Verlauf der Forschung wurden die Transfette auch als wahrscheinliche Auslöser für das Entstehen von Diabetes, Schlaganfällen, Herzinfarkten, Krebs, Alzheimer und schnellerer Gehirnalterung erkannt.
Obwohl die Politik Transfettsäuren in Lebensmitteln als hohes Gesundheitsrisiko seit über 30 Jahren kennt, gibt es fast nur noch in Deutschland keine gesetzlichen Grenzwerte und keine Deklarationspflicht für den Anteil der in Lebensmittel enthaltenen Transfettsäuren. Eine Angabe des Transfettsäuregehalts ist maßgeblich mit dem Widerspruch Deutschlands wettbewerbsrechtlich untersagt worden (Verordnung (EU) Nr. 1169/2011). Ab 2008 wurden in vielen Bundesstaaten der USA Produkte mit Transfettsäuren, die durch den Produktionsprozess entstehen, vollständig verboten.
*Ignorantia Pyramidalis = riesenhafte Unwissenheit



